Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan 4
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Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan

“Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders. Das war schon immer so.”

Mit diesen Worten beginnt As Geschichte. Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren. Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein? Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?

“An manchen Tagen fühle ich mich wie ein Mädchen und an anderen wie ein Junge, und das stimmte durchaus nicht immer mit dem Körper überein, in dem ich gerade steckte. Ich glaubte nach wie vor allen, die erzählten, man müsse entweder dies oder das sein […]. Ich musste erst lernen, dass ich in Sachen Geschlechtszugehörigkeit beides und nichts war.”, S.315

Am 5994. Tag seiner Existenz wacht A im Körper von Justin auf, Rhiannons Freund, der sie – würde man ihn fragen – nicht gut genug behandelt. Und dieser Tag stellt alles auf den Kopf. Denn A möchte nicht mehr täglich von einem Körper in den anderen springen, sondern ein und dieselbe Person sein – für Rhiannon.

Es sind insgesamt 40 Tage, die wir gemeinsam mit A erleben. 40 Tage, die reichen, um diesen Menschen ins Herz zu schließen. A ist weise durch die vielen verschiedenen Leben, die er für einen Tag gelebt hat. Er war Junge, er war Mädchen. Verschiedene soziale Schichten, verschiedene Lebensbedingungen. Und obwohl optisch nichts bleibt, schafft Levithan es auf eine zärtliche und bildliche Art den Charakter von A zu skizzieren. Tiefgründig und doch in einer angenehm lockeren Sprache. Ich finde es außergewöhnlich, wie As wahres Wesen auf jeder Seite durchschimmert. Das einzige Manko dieser wirklich einzigartigen Liebesgeschichte ist deren plötzliche Ende.

“Gesprochen klingen Worte immer anders als gehört, weil für den Sprecher etwas aus dem Inneren mitklingt.”, S.93

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist ein Roman, der uns deutlich zeigt, was Jugendliteratur leisten kann und in diesem Fall auch leistet. Eine Geschichte, die verrückt ist und doch stimmig. Unrealistisch und doch völlig authentisch. Levithan bricht mit Geschlechterrollen, fügt diese neue zusammen und beweist uns das, was wir eigentlich wissen: Wir sind mehr als unser biologisch oder soziales Geschlecht. Wir sind wir und unser Charakter wiegt immer mehr.

Ein wichtiges Buch über Sexualität und die Freiheit zu lieben wie und wen wir wollen. Ein Jugendbuch mit einer bedeutsamen Botschaft, welches dem Thema Transsexualität behutsam eine Plattform bietet.

Autor: David Levithan | Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal | Jugendbuch | FISCHER Taschenbuch | ISBN 978-3-596811564 | 22. September 2016 | Taschenbuch mit flexiblem Einband | 416 Seiten

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