Nichts ist gut. Ohne dich – Lea Coplin 2
in Lesen

Nichts ist gut. Ohne dich – Lea Coplin

Sechs Jahre lang haben sich Jana und Leander nicht gesehen. Als Kinder waren sie unzertrennlich – bis zu diesem einen, verhängnisvollen Abend im August, als Janas Bruder Tim bei einem Autounfall ums Leben kam. Leander fuhr den Wagen. Und verschwand danach aus Janas Leben. Kein Wort haben sie seitdem gewechselt, wissen nichts mehr voneinander. Und jetzt steht er plötzlich vor ihr. Mit seinen hellblauen Augen. Und die Anziehungskraft ist so viel größer als Jana wahrhaben will. Sechs Jahre hat sie versucht, ihn zu hassen. Und nun ist er da, aus einem wirklich guten Grund: Er ist hier, damit sie ihn rettet. Nur weiß er das selbst noch nicht.

“Ich wüsste zu gern, wer ich bin. Und wann ich mich verloren habe. Warum ich Dinge tue, die ich nicht tun will, warum ich Dinge zulasse, die nicht geschehen sollten. Ich frage mich, wie lange ich mich schon in diesem Zustand befinde, in dieser Schwebe zwischen Ahnungslosigkeit und Gleichmut.”, S.67

Der Einstieg in die ersten Seiten von Nichts ist gut. Ohne dich fiel mir sehr leicht. Autorin Lea Coplin, die unter ihren Pseudonymen Anne Sanders & Alexandra Pilz bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht hat, katapultiert den Leser auf den ersten Seiten geradewegs in den alles veränderden Moment, als Jana und Leander sich nach sechs Jahren Funkstille unerwartet gegenüber stehen. Emotionen, das “sich-wie-gelähmt”-Fühlen und Gedankenwirrwarr pur sind da natürlich selbstverständlich und für mich als Leser auch sofort greifbar.

Hier wird auch gleich deutlich, was für eine Geschichte die von Jana und Leander sein will: Eine von Gefühlen und Entwicklung, nicht von großartigen Handlungen & Dramatik. Intensiviert wird die Konzentration auf das Innenleben der Figuren durch den Perspektivenwechsel zwischen Jana und Leander.
Dabei meine ich nicht nur romantische Gefühle, sondern der über allem schwebende Tod von Tim, der während des ganzen Romanes Thema ist, insbesondere die Schuldfrage. Sowohl für Janas, als auch Leanders Familie bedeutete dieser Unfall ein einschneidendes Erlebnis. Weil die Ereignisse dieses Tages nie geklärt wurden, sich nie jemand hingesetzt hat, um mit diesen beiden traumatisierten Teenies bzw. Jugendlichen zu reden, haben deren Leben danach nie wieder zu irgendeiner Form von “Normalität” zurückgefunden. Nur ein weiterer Schicksalsschlag in Leanders Familie hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Eine tiefgehende Aufarbeitung von Tims Tod hätte für Nichts ist gut. Ohne dich gereicht.

“Und dann denke ich, auch manche Beziehungen würden weniger leidvoll enden, wenn man sie gar nicht erst eingegangen wäre.”, S.172

Gut gefallen haben mir auch die Figuren Jana und Leander an sich, die sich schlecht in eine vorgefertigte Schablone pressen lassen. Schablonen, die es in diesem Genre leider so oft gibt wie Sand am Meer. Ich kann mir gut vorstellen, dass die forsche und dickköpfige Jana bei vielen LeserInnen ebenso anecken wird wie Leander, der einfach ohne ein Wort verschwunden ist. Ohne vorweggreifen zu wollen: Menschen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch sind, dann aber ihre guten Seiten erkennen lassen… Sind das nicht die interessantesten Charaktere?
Den jugendlichen Protagonisten passt sich auch der Erzählton an, der locker und leicht ist. Dazu passen auch die zahlreichen Nachrichten, die per Handy verschickt werden. Eine kleine Spur weniger “Jugendsprache” hätte es hier aber auch getan.

In Kürze:
Lea Coplin hat mit Nichts ist gut. Ohne dich in einer eindringlichen Art eine schöne und zugleich doch traurige (Liebes)geschichte geschrieben. Jana und Leander – zwischen zwei Buchdeckeln zeigen die beiden die guten und schlechten Schattierungen des Lebens und, wieso es dennoch an jedem einzelnem Tag wert ist, gelebt zu werden. Vom Lebenswillen und dem Eingestehen seiner eigenen Fehler. Lediglich bei den Emotionen hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht, vor allem in Hinblick auf die Verarbeitung des Todes von Janas Bruder. Alles in allem eine lesenswerte Liebesgeschichte, die sich perfekt an ihre Zielgruppe anpasst.

Autorin: Lea Coplin | Titel: Nichts ist gut. Ohne dich | Roman | dtv junior | ISBN 978-3-423-71778-6 | 20. April 2018 | Taschenbuch mit Klappenbroschur | 352 Seiten

Ein herzliches Dankeschön an Lea Coplin und den dtv Verlag für die Bereitstellung des Exemplars von Nichts ist gut. Ohne dich, sowie für das Q&A.

You Might Also Like

Die Bretagne in Claudia Winters “Die Wolkenfischerin”

Den Mund voll ungesagter Dinge – Anne Freytag

Never Never – Colleen Hoover & Tarryn Fisher

Unsere verlorenen Herzen – Krystal Sutherland

Die Gabe der Auserwählten – Mary E. Pearson

Maybe Someday – Colleen Hoover

Fayra. Das Herz der Phönixtochter – Nina Blazon

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken – John Green

Constellation. Gegen alle Sterne – Claudia Gray

Close to You – Isabell May

5 Bücher, die mein Leben und mich verändert haben

Die Oleanderfrauen – Teresa Simon

Der Glanz der Dunkelheit – Mary E. Pearson

Weil Liebe bunt ist – 5 queere Lieblingsbücher, Teil 1

Coldworth City – Mona Kasten

Unsere Seelen bei Nacht – Kent Haruf

Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan

Save Me. Maxton-Hall-Trilogie – Mona Kasten

Meet & Greet mit Colleen Hoover | dtv München

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.